Rom und Nord-Italien


10 Highlights auf der Reise von Rom nach Venedig, Verona, Riva del Garda und Turin


  1. Durch die historischen Straßen Roms laufen

Laufen in Rom

Bist du schon einmal auf die Idee gekommen, deinen Morgen im Urlaub mit einem Lauf zu beginnen? Für viele klingt es nicht nach Urlaub, vor Sonnenaufgang aufzustehen aber glaub mir, es lohnt sich. Durch neue Orte und Parks zu laufen, den Tag mit einem Sonnenaufgang oder einer atemberaubenden Aussicht auf die Stadt zu beginnen, hat mir so viel Freude bereitet, dass ich mich schließlich entschied, nach Rom zu fliegen, um dort einen Marathon zu laufen.

Okay, das klingt spontan aber dieser Entscheidung ging ein längerer Prozess voraus.

Du musst keinen Marathon laufen. In Rom gibt es auch kürzere Läufe wie den Acea Water Fun Run über 5 km, den du laufen oder walken kannst. Und glaubt mir, das lohnt sich! Vorab bekommst du eine Tasche mit Produkten und ein Laufshirt, am Ziel gibt es sogar eine kleine Medaille. Wenn das nicht Motivation genug ist.

Die eigentliche Motivation ist aber die Bühne: Der Lauf startet direkt am Kolosseum und endet am Circus Maximus. Da es kein Wettkampf ist, wird keine Zeit gemessen. Wenn du nicht selbst trackst, wirst du nie erfahren, wie schnell du warst. Am Ziel gibt es kleine italienische Pizetten. Ganz italiniesch eben. Die Stimmung ist großartig, rund 20.000 Läufer*innen aus aller Welt nehmen teil.


Die Entscheidung

Wenn du schon einmal mit den Gedanken gespielt hast, irgendwann einen Marathon zu laufen, dann ist das deine Chance. Ich meine das ganz ernst. Ich laufe schon so lange und habe an 5- und 10-km-Läufen teilgenommen, aber ein Marathon blieb immer eine abstrakte Idee.

Also begann ich, meine Läufe zu verlängern. Aus 10 km wurden 12, dann 15 km und dann, dann 17. Irgendwann lief ich 21 km. Und nach diesem Lauf wusste ich, ich will einen Marathon laufen.

Für die extra Motivation, sollte es ein besonderer Marathon sein. Ich musste nicht lange suchen, Rom tauchte sofort als einer der ersten Vorschläge auf. Im Nachhinein frage ich mich Zufall oder Algorithmus? Eine Stadt voller Geschichte, Kunst und Mode. Ich habe meine Entscheidung nie hinterfragt. Trotz eines sehr harten Trainings über den Winter, blieb ich immer extrem motiviert und voller Vorfreude. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Run Rome the Marathon

Ich erinnere mich noch genau an die Worte des Moderators am Morgen des Laufs. In mehreren Sprachen sagte er: 42 Km und 195 Meter voller Spaß, voller Schönheiten, voller Kultur.

Spoiler: Spaß und Freude hatte und ich ich aber auch eine große Anstrengung. Es war ein persönlicher Kampf, weil ich unter vier Stunden laufen wollte. So wie die meisten ambitionierten Marathonläufer. Ich wollte bereits bei meinem ersten Lauf unter die sogenannte “Sub-4” gehören. Trotz der vielen Höhenmeter war es eine der schönsten und geschichtsreichsten Strecken, die ich je gelaufen bin.

Es war mein erster Marathon aber ich bin mir sicher, so eine Stimmung wie in Rom, die ist einzigartig.

Der Marathon startet am Kolosseum und führt an diesem architektonischen Meisterwerk vorbei. Die Stimmung dort ist wirklich unbeschreiblich. Tausende Menschen, alle mit dem gleichen Ziel. Die Aufregung ist spürbar. Ich persönlich konnte es kaum erwarten loszulaufen, ich war bereit.

Die Strecke

Der Marathon startet an der Via dei Fiori Imperiali - direkt am Kolosseum und führt in einer großen Schleife durch das historische Zentrum Roms. Die Strecke verläuft zunächst südlich Richtung Circus Maximus, dann entlang des Tibers bis zum Vatikan und schließlich zurück durch die Altstadt - das Herz von Rom. Das Ziel liegt am Circus Maximus.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf der Strecke:

  • Piazza Venezia & Vittoriano

  • Circus Maximus

  • Cestius-Pyramide

  • Tiber

  • Engelsburg

  • Petersdom

  • Piazza Navona

  • Spanische Treppen & Piazza di Spagna

  • Ponte Settimia Spizzichino

  • Forum Romanum & Palatin

Die Strecke ist gesäumt von Basiliken, Brücken und unzähligen architektonischen Meisterwerken. Die Straßen voller jahrtausendealter Geschichte zu laufen, ist eindrucksvoll und unvergesslich. Ich weiß jetzt schon, dass ich unbedingt wieder nach Rom möchte, um erneut Teil dieses emotionalen Laufs zu sein.

Die Medaille

Ich bin unendlich dankbar, dass bei meinem ersten Marathon alles so unglaublich gut gelaufen ist. Trotz der Anstrengungen gab es keine bösen Überraschungen. Vom Flug bis zum Zieleinlauf hat alles reibungslos funktioniert.

Ich bin alleine gereist und bin den Marathon komplett alleine gelaufen (soweit man alleine laufen kann, bei solch einem großen Event ). Das hat das Ganze intensiver gemacht und mich noch stolzer, weil ich es ganz alleine geschafft habe. Meine Liebsten haben mich zwischendruch telefonisch auf der Strecke begleitet <3 Herzensmenschen einfach!

Und dann kam das Beste, die Medaille. Für mich zählt die Medaille des Rom-Marathons zu den schönsten überhaupt. Sie zeigt einen Spiegel, auf dem Be Proud steht. Während man sich selbst in der Medaille sieht, lädt die Medaille dazu ein, stolz auf sich selbst zu sein.

Eins ist sicher, ich bin bis heute mega stolz.

 

2 . Pizza & Dolce in Rom

La Dolce Vita

Da mein Fokus in Rom ganz auf dem Marathon lag, hatte ich mir vor Ort nichts vorgenommen. Stattdessen wollte ich mich treiben lassen und vor allem eines; das italienische Lebensgefühl genießen.

Die Pasticceria Barberiniwar dafür genau der richtige Ort. Neben den klassischen Cornetti erwartet einen eine beeindruckende Auswahl an kunstvoll gestalteten Törtchen, Sfogliatelle und weiteren süßen Köstlichkeiten.

Direkt vor der Tür rauscht der Verkehr über eine der vielbefahrenen Straßen Roms. Ruhe findet man hier kaum und doch liegt genau darin ein besonderer Reiz. Während Motorroller zwischen Autos hindurchschlängeln, Hupen durch die Straßen hallen und das scheinbare Verkehrschaos seinen eigenen Rhythmus entwickelt, sitzt man mit seinem Kaffee und beobachtet das Spektakel. Irgendwie wirkt alles vollkommen verrückt und gleichzeitig typisch römisch. Genau diese Mischung aus Genuss, Lebendigkeit und einem hauch Chaos macht für mich La Dolce Vita aus.

📍Pasticceria Barberini Via Marmorata, 41, 00153 Roma RM, Italien

Pizza Margherita

Wait for it. In Rom gibt es mehrere Spots für eine gute Pizza. Mir war es wichtig, in der Nähe meiner Unterkunft eine gute Pizza zu finden, bzw. unkompliziert zu Abend zu essen. Meine Unterkunft war in Ostiense und ich habe in der Nähe das Baccio e i Gradinigefunden, welches nicht unweit von den Pyramiden ist. Ich kann das Restaurant nur wärmstens empfehlen und würde jederzeit an diesen Ort zurückkehren, um diese leckere Pizza noch einmal essen zu können. Auf der Speisekarte findet man neben den Pizzen auch frittiertes Fingerfood, welches von den Italiener*innen gerne als Vorspeise dazu bestellt wird.

📍Viale della Piramide Cestia, 25, 00153 Roma

 

 

3 . René Magritte in Venedig

Die Peggy Guggenheim Collection

Zu meinen liebsten Beschäftigungen auf Reisen gehört der Besuch von Kunstmuseen. Neben bekannten Werken entdeckt man dort oft auch Künstler*innen aus der jeweiligen Region und erweitert ganz nebenbei den eigenen Blick.

Was ich allerdings nicht erwartet hätte: eines meiner Lieblingswerke von René Magritte ausgerechnet in Venedig zu sehen.

Ich erinnere mich genau an diesen Moment. Ich betrete den Raum und sehe es sofort. Durch seine Größe nimmt das Gemälde den gesamten Raum ein, fast so, als würde alles andere in den Hintergrund treten. Selbst das Ölgemälde “Der Gegenpapst” von Max Ernst wirkt daneben plötzlich zurückhaltend, obwohl es für sich genommen ebenso faszinierend ist.

Magritte, einer der bedeutendsten Vertreter des Surrealismus, hat Werke geschaffen, die heute in Museen auf der ganzen Welt zu sehen sind. Zum ersten Mal begegnete ich seiner Kunst vor mehr als 10 Jahren im Magritte Museumin Brüssel. Doch viele seiner bekanntesten Arbeiten sind international verteilt. So befindet sich auch mein absolutes Lieblingswerk, “Die Liebenden”, im Museum of Modern Art.

Umso überraschender war es, in der Peggy Guggenheim Collection auf “Das Reich der Lichter” zu stoßen ohne es vorher erwartet zu haben.

Was Magrittes Werke für mich so besonders macht, ist ihre Fähigkeit, Widersprüche sichtbar zu machen. Er schafft es aber auch Gefühle beim Betrachten zu erzeugen. Das Düstere und das Leuchtende, die Gegensätze. Ein leuchtend blauer Himmel steht im Kontrast zu der Dunkelheit. Ein Haus, das Licht ausstrahlen müsste, wirkt plötzlich düster. Er schafft Bilder, in denen Gegensätze gleichzeitig existieren. Etwas, das in der Realität unmöglich scheint.

Vielleicht ist es genau das, was seine Kunst so eindrücklich macht:
Sie zeigt nicht die Welt, wie sie ist, sondern wie widersprüchlich sie sich anfühlen kann.

 

 

4 . Sonnenuntergang am Markusplatz in Venedig

Das Herzstück Venedigs

Der Markusplatz ist weit mehr als nur die bekannteste Sehenswürdigkeit Venedigs, er ist das Herz der Stadt. Umgeben von beeindruckender Architektur, vom Markusturm über den Dogenpalast bis hin zum historischen Uhrenturm, entfaltet sich hier die ganze Schönheit Venedigs.

Besonders magisch wird es jedoch am Abend. Wenn die Sonne langsam über der Lagune untergeht und die letzten warmen Lichtstrahlen die Fassaden in Gold tauchen, entsteht eine Atmosphäre, die man kaum in Worte fassen kann. Über den Markusplatz zu schlendern, während die Stadt langsam zur Ruhe kommt, gehört zu den schönsten Erlebnissen in Venedig.

Für einen unvergesslichen Ausblick lohnt sich der Aufstieg auf den Markusturm. Von oben eröffnet sich ein einzigartiger Blick über die roten Dächer der Stadt, die Kanäle und das glitzernde Wasser der Lagune. Ebenso besonders ist ein Spaziergang entlang des Wassers an der Riva degli Schiavoni, wo Venedig seine ganze Eleganz zeigt und der Blick bis zur Insel San Giorgio Maggiore reicht.

 

 

5.Dolce Vita in Venedig

Eine Stadt, die zur Entschleunigung einlädt

Venice lädt mit ihrer wunderschönen Architektur, den Kanälen und Brücken förmlich dazu ein, für einen Moment zu verweilen und die Umgebung und das Leben zu genießen. Eine Stadt, in der keine Autos fahren, weit weg vom Verkehrschaos und Verkehrslärm, verstärkt dieses Gefühl der Ruhe zusätzlich. Die Bewegung verläuft hier anders: langsam, fließend, getragen vom Wasser. Selbst die Gondola fügt sich in dieses Tempo ein und wird Teil des dolce vita, in dem nicht die Eile, sondern das bewusste Erleben im Vordergrund steht.

Mein persönlicher Tipp:

Nimm auf den Stufen der Santa Maria della Salute Platz, lass den Blick über die Schönheit dieser Stadt schweifen und beobachte das sanfte Treiben auf dem Wasser.

 

 

6. Giardino Giusti, Verona

Ein verborgenes Juwel in Verona

Der heutige Giusti-Garten entstand im 16. Jahrhundert hinter dem Palazzo der Familie Giusti. Mit seinen Zypressenalleen, Brunnen und Grotten gilt er als eines der eindrucksvollsten Beispiele italienischer Renaissance-Gartenkunst. Zu seinen berühmten Besuchern zählten bereits Goetheund Mozart, die den Garten während ihrer Italienreisen besuchten.

Bis heute ist der kulturelle Geist dieses Ortes spürbar. Im Palazzo Giusti befindet sich noch immer eine renommierte Ballettschule, die 1975 von der ehemaligen Primaballerina der Mailänder Scala, Luciana Novaro, gegründet wurde. Neben der Tanzschule finden im Garten regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Atmosphäre. Während ich durch die schattigen Wege des Gartens schlenderte, drangen immer wieder die Klänge der Musik aus der Ballettschule zwischen den Zypressen hervor. Gemeinsam mit dem Duft der Pflanzen und dem Blick über Verona verlieh das dem Ort eine fast magische Stimmung.

Im Garten und im Palazzo sind QR-Codes versteckt, über die sich spannende Hintergrundinformationen abrufen lassen. Daher lohnt es sich, den Garten mit der App „Giardino Giusti“ zu erkunden.

Weitere Informationen findest du auf der Website des Gartens.

Verona von Oben erleben

Wenn es einen Ort gibt, den du in Verona nicht verpassen solltest, dann ist es der Aussichtspunkt am Castel San Pietro. Für mich war er das absolute Highlight der Stadt. Während meines zweitägigen Aufenthalts bin ich gleich mehrfach hinaufgegangen – am Morgen, wenn die Stadt langsam erwacht, und am Abend, wenn die letzten Sonnenstrahlen die Dächer Veronas in warmes Licht tauchen.

Auch vom Giardino Giusti genießt du einen wunderschönen Blick über Verona und über den Garten. Wer etwas Ruhe abseits der bekanntesten Aussichtspunkte sucht, ist hier genau richtig.

 

 

7.Museo di arte moderna e contemporanea di Trento (MART), Rovereto

Wo Kunst und Architektur verschmelzen

Mein Herz schlägt für Kunst und Architektur und wenn beides an einem Ort zusammenkommt, umso mehr. Das MARTin Rovereto liegt nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Während mich die Bergkulisse des Trentino begleitet, führt der Weg leicht bergauf in Richtung Museum.

Fast unscheinbar öffnet sich zwischen den umliegenden Gebäuden ein schmaler Zugang. Doch sobald man ihn passiert, offenbart sich einer der beeindruckendsten Museumsbauten Italiens. Bevor man überhaupt einen Fuß in die Ausstellungsräume setzt, wird klar: Hier ist bereits die Architektur selbst ein Kunstwerk. Das Gebäude wurde vom StararchitektenMario Botta entworfen.

Besonders beeindruckend ist die Architektur des MART selbst. Ein kreisförmiger Baukörper, der sich zu einem zentralen Platz hin öffnet und von einer monumentalen Glas-Stahl-Kuppel überspannt wird. Das Licht fällt durch die transparente Konstruktion in den Innenhof und schafft eine fast schwebende Atmosphäre zwischen Innen- und Außenraum.

Das Gebäude ist mit hellem Naturstein verkleidet, der ihm eine ruhige, fast monolithische Wirkung verleiht. Besonders bei blauem Himmel entfaltet die Architektur ihre volle Wirkung, wenn sich das Licht im hellen Stein bricht und das Gebäude scheinbar mit der Umgebung verschmilzt.

Schlitzartige Fenster gliedern die Fassade rhythmisch und lassen gezielt Licht in das Innere fallen, wodurch die strenge Geometrie des Baukörpers zusätzlich betont wird.

Die Ausstellungen

Im Museum haben mir besonders die beiden temporären Ausstellungen von Anselmo Bucci und Luigi Bonazza gefallen.

Bucci verbrachte einen wichtigen Teil seines künstlerischen Lebens in Paris, wo er das moderne Stadtleben, aber auch persönliche Eindrücke des Ersten Weltkriegs in seine Werke einfließen ließ. Neben diesen expressiveren Arbeiten finden sich bei ihm auch ruhigere Motive, darunter Landschaften, Alltagsszenen und Tierdarstellungen, die einen sehr persönlichen Blick auf seine Umgebung zeigen.

Bonazzahingegen wurde stark von seiner Zeit in Wien geprägt, wo er zwischen 1897 und 1912 ausgebildet wurde und die Kunst der Wiener Secession kennenlernte. Besonders die Werke von Gustav Klimt beeinflussten ihn nachhaltig. Aus dieser Zeit entwickelte er den Gedanken des „Gesamtkunstwerks“ – die Idee, Kunst und Lebensraum als Einheit zu begreifen. Neben vielen Portraits hat er vor allem Landschaften gemalt.

Auch die Dauerausstellung bietet Werke bedeutender italienischer Künstler wie Francesco Hayez. Insgesamt ist sie sehr vielseitig und reicht bis in die moderne und zeitgenössische Kunst. Besonders angesprochen haben mich dabei die klassischen Werke und malerischen Arbeiten. Weniger jedoch einige der Installationen, zu denen ich persönlich keinen so starken Zugang gefunden habe.

Tipp: Wenn ihr – so wie ich – nur auf der Durchreise zum Gardasee seid, nutzt unbedingt die Gelegenheit, Rovereto oder das MART zu besuchen. Direkt am Bahnhof befindet sich das moderne Tourismusbüro „APT Rovereto“, in dem ihr nicht nur Informationen bekommt, sondern auch euer Gepäck abgeben könnt. Das Büro ist während der Öffnungszeiten zwischen 13:00 und 14:00 Uhr nicht besetzt.

 

 

8.Lido Palace, Riva del Garda

Die Kunst der leisen Eleganz

Das Lido Palace hat einfach alles, was das Herz begehrt, zumindest alles, was mein Herz begehrt. Ein Ort, der meinen ästhetischenAnsprüchen nicht nur gerecht wird, sondern sie beinahe übertrifft. Jeder Raum wirkt durchdacht, ruhig, fast wie aus einer anderen Zeit. Ein Hotel, das Interieur-Herzen definitiv schneller schlagen lässt.

Und dann diese Lage: umgeben von majestätischen Bergen, direkt am Wasser, irgendwo zwischen Eleganz und Stille. Als hätte die Landschaft beschlossen, genau dort für einen kurzen Moment vollkommen zu sein.

Das Hotel gibt einem das Gefühl, als würde die Zeit dort langsamer vergehen. Als würde man in eine vergangene Epoche reisen , in eine Zeit, in der Eleganz noch leise war, zurückhaltend und selbstverständlich. Vielleicht musste ich deshalb an diese alten Modeikonen und Künstlerinnen denken, an Frauen, die mit dunklen Sonnenbrillen, Seidentüchern und einem Buch in Hotellobbys saßen, während draußen Boote über den See glitten. Dieses Hotel hat genau diese Atmosphäre: zeitlos, cineastisch und fast ein bisschen unwirklich.

 

 

9.Alpenviewing & Basilica di Superga in Turin

Bergkulisse im Piemont

Obwohl Turin zu den größten Städten Italiens zählt, findet die Stadt in vielen Reiseplänen kaum Beachtung. Zwischen Rom, Mailand und Neapel gerät sie oft in Vergessenheit.

Das mag daran liegen, dass Turin nicht mit weltberühmten Wahrzeichen um Aufmerksamkeit wirbt. Stattdessen entfaltet die Stadt ihren Reiz leiser, durch ihre eleganten Arkaden, weitläufigen Plätze und die besondere Atmosphäre, die zwischen Geschichte und Moderne entsteht.

Für mich war jedoch etwas anderes ausschlaggebend: die Bergkulisse. Als ich zum ersten Mal Bilder von Turin sah, war ich fasziniert von dem Kontrast zwischen den eleganten Straßenzügen der Stadt und den schneebedeckten Gipfeln am Horizont. Hier treffen urbane Eleganz und Natur auf eine Weise aufeinander, die man nur selten findet.

Und genau dieses Bild begleitete mich während meiner Reise durch Turin. Immer wieder zog es meinen Blick hinauf zu den Alpen, deren Silhouette sich hinter den Dächern der Stadt erhob. Ein Anblick, den ich von den unterschiedlichsten Aussichtspunkten aus förmlich in mich aufsog.

Hoch über Turin verbindet die Basilika von Superga eindrucksvolle Architektur mit einem der schönsten Ausblicke der Stadt.

Die Basilika lädt dazu ein, für einen Moment innezuhalten. Auf ihren Stufen sitzend schweift der Blick über die Dächer Turins bis hin zu den Alpen am Horizont. Wer noch höher hinaus möchte, wird auf der Aussichtsplattform mit einem eindrucksvollen Panorama belohnt.

Im Inneren setzt sich die Eleganz der Basilika fort. Helles Licht fällt durch die hohen Fenster und betont die feinen Details der barocken Architektur. Zwischen den kunstvoll verzierten Säulen und den großzügigen Raumproportionen entsteht eine ruhige Atmosphäre.

Tipp: Wenn ihr die Basilika mit den öffentlichen erreichen wollt, es wurde ein neuer Bus, der Superga Express installiert, welcher seit dem 17.05.2026 in Betrieb befindet. Ihr solltet zudem beachten, dass es eine Mittagspause von 13:30 bis 14:30 Uhr gibt.

 

 

10.Pista 500, Turin

Pista 500
Pista 500
Alpenviewing Pista 500
Pista 500

Kunst über den Dächern Lingottos

Ich muss zugeben, dass es ein paar Minuten gedauert hat, bis ich verstanden habe, dass sich die Pista 500 und die Pinacoteca Agnelli auf dem Dach des ehemaligen Fiat-Werks befinden, das heute ein Einkaufszentrum beherbergt.

Neben dem Monte dei Cappuccini und der Superga zählt die Pista 500 zu den außergewöhnlichsten Aussichtspunkten Turins. Von hier aus eröffnet sich ein weiter Blick über die Stadt bis zu den Alpen. Zu sehen sind unter anderem das Olympiastadion sowie die Arco Olimpico, eine 69 Meter hohe Fußgängerbrücke. Ihr markanter roter Bogen erinnert an ein überdimensionales Speichenrad und ist schon von Weitem sichtbar.

Die Pista 500 diente bis 1982 als Teststrecke von Fiat. Wo einst Fahrzeuge ihre Probefahrten absolvierten, erstreckt sich heute ein öffentlicher Kunst- und Spazierweg unter freiem Himmel.

Das Lingotto-Gebäude selbst galt bei seiner Eröffnung als architektonische Sensation. Als damals größte Autofabrik der Welt setzte es neue Maßstäbe für Industriearchitektur und Stadtplanung. Selbst der berühmte Architekt Le Corbusier bezeichnete das Werk als eine der beeindruckendsten industriellen Anlagen seiner Zeit. In den Produktionshallen entstanden über die Jahrzehnte zahlreiche Fiat-Modelle, darunter auch der legendäre Fiat Topolino.

Entlang der rund 500 Meter langen Strecke begegnet man zahlreichen Werken zeitgenössischer Künstler*innen – von großformatigen Wandarbeiten über Installationen bis hin zu Skulpturen, die den ehemaligen Industriebau in einen besonderen Ausstellungsraum verwandeln.

Am Ende deines artwalks kannst du im Museumscafé - welches sich auch auf dem Rooftop befindet, eine Pause einlegen und dich mit Kleinigkeiten und Kaffee, bei einer wunderschönen Aussicht, stärken.

Die Pista 500 ist für mich einer der spannendsten Orte in Turins. Wo früher Motoren getestet wurden, treffen heute Industriegeschichte, zeitgenössische Kunst und die Kulisse der Alpen aufeinander. Ein Ort, der zeigt, wie sich Vergangenheit und Gegenwart auf überraschende Weise verbinden können.

Neben der Pista 500, dem Museumscafé befindet sich in den unteren Etagen die Pinacoteca Agnelli, die einige schöne Werke von bekannten Künstler*innen, wie Henri Matisse mit seinem Werk “Meditation apres le Bain (1920)”, Picasso mit einem Werk aus seiner blauen Phase “Portrait of a courtesan” (1901), Edouard Manets Werk “Le negresse” (1862), Piotr Uklanski und andere namenhafte Künstler*innen.

Vor allem laden aber auch die temporären Ausstellungen ein, das Museum zu besuchen. Während meines Besuches im März 2026 wurde die Künstlerin Alice Neel ausgestellt. Ich fand die Ausstellung von Neel sehr spannend und als mir neue Künstlerin sehr bereichernd. Zum einen hat Neel eine besondere Art, wie sie die Menschen portraitiert hat, indem sie mit all ihren Eigenheiten darstellte und das malte, was sie in den Menschen sah. Und zum anderen wirken ihre Portraits sehr emotional, oft direkt und roh. Sie stellte in den Portraits die Unsicherheiten, Eigenheiten und Widersprüche ihrer Portraitierten dar.

Pista 500
 

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